Banken müssen sich entscheiden: Katar oder Saudi-Arabien?

Banken müssen sich entscheiden: Katar oder Saudi-Arabien?
04.05.2018

Lange hatten Banken versucht, im diplomatischen Streit zwischen Katar und seinen Nachbarstaaten Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) neutral zu bleiben. Doch jetzt sind sie gezwungen, sich für eine Seite zu entscheiden. Anfang April teilten Manager von JP Morgan und HSBC Katar mit, dass ihre Banken die geplante Anleiheemission des Emirats nicht mehr begleiten könnten, denn die Institute wollten ihre Beziehung zur saudischen Regierung nicht belasten, die gerade ihre eigene Anleiheemission vorbereitete. Katar distanziert sich im Gegenzug von einigen Bankern und Beratern in Dubai, der größten Stadt der VAE und die Finanzhauptstadt der Region. 

Einige westliche Finanzinstitute müssen laut Bankern ihre Geschäfte mit Doha deshalb über ihre Londoner Filialen abwickeln. JP Morgan, eine der aktivsten Banken in der Region, habe einen Manager, der sich um Kunden aus Katar kümmert, nach London versetzt, berichteten Insider. Die meisten international aufgestellten Banken sind weiterhin in Katar, Saudi-Arabien und den VAE aktiv, doch sie scheinen sich alle auf eines der Länder zu konzentrieren. JP Morgan und HSBC gehörten ein Jahrzehnt lang zu den fünf größten Banken in Katar, doch in diesem Jahr schaffen sie es nicht einmal in die Top 10, berichtet Dealogic.

Saudi-Arabien, die VAE, Ägypten und Bahrain kappten im Juni vergangenen Jahres plötzlich ihre Beziehungen zu Katar. Der ehemalige Verbündete unterstütze islamische Extremisten, pflege eine enge Beziehung zu Iran und mische sich in die Angelegenheiten seiner Nachbarn ein, lautete der Vorwurf. Katar streitet das ab und versucht seitdem, den Westen auf seine Seite zu ziehen. "Der Finanzsektor insgesamt bekommt das jetzt zu spüren", sagt May Nasrallah, eine ehemalige Morgan-Stanley-Managerin im Nahen Osten, die 2010 eine Beratungsfirma in Dubai gründete. "Die Gründe mögen politisch sein, doch die alltäglichen Auswirkungen sind wirtschaftlich", sagt sie.

Ein Sprecher des Finanzministeriums von Katar sagt, dass sein Land internationale Unternehmen mit Sitz in den VAE nicht meide. "Blockierende Länder tun alles, um die Isolierung voranzutreiben, doch wir heißen ihre Bürger und Unternehmen weiter willkommen", sagt der Sprecher. Tatsächlich klingen die wirtschaftlichen Konsequenzen des Streits inzwischen ab. Katar musste die heimische Wirtschaft und das Bankensystem anfangs mit 40 Mrd. Dollar versorgen, um Kapitalabflüsse auszugleichen. Doch im März berichtete der Internationale Währungsfonds, dass sich die Wirtschaft stabilisiert habe. Neue Technologien, die Regulierung, und ein Ölpreis, der weiterhin unter 100 Dollar pro Barrel verharrt, stellen weit größere Belastungen für die Banken von Katar dar.

Banker berichten von Entscheidungsdruck

Banker berichten jedoch, dass sie sich nun entscheiden müssten zwischen Saudi-Arabien und den VAE - starken politischen Verbündeten mit großen Ölreserven - und dem winzigen Emirat Katar, das durch seine Erdgasreserven eines der wohlhabendsten Ländern der Erde geworden ist. Als Saudi-Arabien und Katar innerhalb kurzer Zeit jeweils Staatsanleihen ausgeben wollten, teilten sich die begleitenden Banken in zwei Lager auf.

Deutsche Bank, Barclays und Credit Suisse, die allesamt große Aktionäre aus Katar haben, unterstützten Doha bei der Emission einer 12 Mrd. Dollar großen Anleihe. HSBC und JP Morgan, die stark in Saudi-Arabien investiert sind, beteiligten sich nicht an der katarischen Anleihe und arbeiteten stattdessen an der 11 Mrd. Dollar großen Anleihe der Saudis. HSBC und JP Morgan hatten 2016 die 9 Mrd. Dollar große Anleiheemission Katars mitorganisiert. Es war das letzte Mal vor der diplomatischen Krise, dass das Land sich an den internationalen Kapitalmärkten Geld lieh. Beide Banken haben eine starke Präsenz in Saudi-Arabien, wo sie unter anderem den Börsengang des staatlichen Ölriesens Aramco mitvorbereiten. Das japanische Institut Mizuho, das erst seit relativ kurzer Zeit im Nahen Osten aktiv ist, hatte versucht, in dem Konflikt neutral zu bleiben, und verspielte am Ende überall seine Chancen, sagen Banker. Mizuho selbst ließ mitteilen, das Institut habe zuerst an der katarischen Transaktion gearbeitet, sich dann aber zurückgezogen. (DJN) 

Bildquelle: ©franckreporter | istockphoto.com


[zurück]