Besetzung der Chefetage: Weniger Fehlverhalten mit Frauen
04.02.2020

Banken mit einer starken weiblichen Präsenz im Verwaltungsrat werden offenbar weniger Geldstrafen für Fehlverhalten auferlegt. Eine neue Studie, zu deren Autoren die Dozentin für Finanzwesen Dr. Angela Gallo und die Professorin für Bank- und Finanzwesen Barbara Casu Lukac gehören und die von Wissenschaftlern der Cass Business School mitverfasst wurde, untersucht die Auswirkungen der geschlechtsspezifischen Vielfalt von Verwaltungsräten auf das finanzielle und allgemeine Fehlverhalten von Banken, heißt es in einer Mitteilung.

Da Fehlverhalten in Form von Geldwäsche oder Finanzmissbrauch nach der Finanzkrise 2007/08 zugenommen habe, hätten die Bankenaufsichtsbehörden Reformen eingeleitet, um Probleme der Unternehmensführung anzugehen. Eine dieser Reformen umfasse Maßnahmen zur Erhöhung der Geschlechtervielfalt in der Chefetage.

Die Ergebnisse der Untersuchung zeigen demnach, dass eine ausgewogene Vertretung von Frauen und Männern in den Chefetagen die Strafen für Fehlverhalten von Banken um 7,48 Mio. Dollar pro Jahr reduziere. Dr. Gallo: „Der nächste Teil jeder Reform sollte versuchen, sicherzustellen, dass Vielfalt mit Eingliederung verbunden ist. Mit anderen Worten: Frauen, die im Vorstand sitzen, sollten auch die gleichen Möglichkeiten erhalten, sich aktiv zu beteiligen und zu seinen Aktivitäten beizutragen. Diese mangelnde Einbeziehung könnte zum Beispiel erklären, warum Frauen oft schon nach kurzer Zeit ihren Sitz in einem Gremium verlassen."

Dr. Gallo: Echter Kulturwandel notwendig

Dr. Gallo sei zudem der Ansicht, dass eine kulturelle Anpassung erforderlich sei, um Fragen der Ungleichheit auf Vorstandsebene anzugehen, bevor die Banken die Ergebnisse dieser und ähnlicher Studien über die Vorteile der Geschlechtervielfalt in vollem Umfang nutzen könnten. „Veränderungen in Bezug auf Gleichberechtigung und Vielfalt müssen mit einem echten Kulturwandel einhergehen, bevor sie wirksam und nicht nur scheinbar werden", fuhr sie den Angaben zufolge fort. „Leider kann der Kulturwandel sehr langsam erfolgen und auch eine nichtlineare Entwicklung haben, die Frauen immer noch zurückhält“, so die Expertin.

Die Analyse untersuchte den Angaben zufolge auch andere Aspekte der Vielfalt, etwa Alter, Nationalität und Arbeitnehmervertretung, habe aber keine Hinweise darauf gefunden, dass diese Variablen mit sinkendem Fehlverhalten in Verbindung stehen würden. (ud)

Bildquelle: iStock.com/VioletaStoimenova


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