Corona-Krise: Risiko von Finanzbetrug wächst
09.04.2020

Die Corona-Krise könnte die Weltwirtschaft an den Rand des Zusammenbruchs bringen. Regierungen auf der ganzen Welt versuchen daher, mit Hilfe der Banken Konjunkturpakete auf den Weg zu bringen und Kredite an Unternehmen auszugeben, die eine Finanzspritze benötigen. Dabei droht die Gefahr, dass sich Finanzbetrug und Geldwäsche ausweiten.

Unternehmen aller Größenordnungen haben im Zuge der Pandemie an Rentabilität zu verloren. Viele Firmen können ihre laufenden Kredite nicht zurückzahlen. Da dies so häufig vorkommt, bietet sich für Trittbrettfahrer die Chance, die Corona-Krise als Vorwand zu nutzen, um Kredite nicht zurückzuzahlen. Für Banken ist dies eine Herausforderung: Wie sollen sie unterscheiden zwischen denen, die tatsächlich Hilfe benötigen und sich erholen könnten, und denen, die versuchen, die Situation zu missbrauchen oder unter Vorspiegelung falscher Tatsachen an Geld zu kommen?

Durch die ultra-niedrigen Zinssätze, die durch Entscheidungen der Zentralbanken entstanden sind, wird die Fähigkeit der Banken, Gewinne aus der Kreditvergabe zu erzielen, weiter beeinträchtigt. Eine der besten Möglichkeiten für die Institute, sich in dieser Situation dennoch einen Vorteil zu verschaffen, besteht darin, dass sie ihre Kenntnis aktueller und potenzieller Kunden verbessern. Letztlich geht es darum, über den Know-Your-Customer-Prozess Kundenverbindungen zu durchleuchten – und diesen sogar im Sinne eines Know Your Customer's Customer zu erweitern.

Neue Möglichkeiten für Geldwäscher

Den Kunden und die Lieferkette genau zu kennen, ist auch für die Verhinderung von Geldwäsche erforderlich. Von den Banken wird erwartet, dass sie verdächtige Aktivitäten aufdecken und den Behörden rechtzeitig Bericht erstatten – ganz unabhängig von Krisen wie der Ausbreitung des Coronavirus. Die veränderte wirtschaftliche Dynamik und die rasche Digitalisierung der Gesellschaft schaffen jedoch neue Möglichkeiten für die Machenschaften der Geldwäscher. So kann man bereits beobachten, dass die sogenannten Money Mules (auf Deutsch: Geldesel) verstärkt zum Einsatz kommen. Kriminelle wenden sich dabei mit Stellenanzeigen, in denen sie „hohe Gehälter für Arbeit im Homeoffice“ in Aussicht stellen, an Personen, die in letzter Zeit ihren Arbeitsplatz verloren haben könnten. Diese werden dann dazu verleitet, ihre persönlichen Bankkonten für Geldwäsche zur Verfügung zu stellen.

Banken berichten außerdem über ein erhöhtes Aufkommen von sogenannten „False Positive-Meldungen“. Hierbei wird ein Alarm registriert, obwohl eigentlich alles in Ordnung ist. Der Grund liegt im veränderten Kundenverhalten bezüglich finanzieller Dinge im Zuge der Corona-Krise. Für die Banken bedeutet dies, dass wertvolle Zeit und Ressourcen für die Untersuchung solcher Falschmeldungen verschwendet wird. Daher gilt: Je besser eine Bank den Kunden kennt, umso besser kann sie die Wahrscheinlichkeit einschätzen, ob er eine Straftat begeht oder sich zur Beihilfe zu einer Straftat verleiten lässt. Eine genaue und laufend aktualisierte Risikoeinschätzung der Kunden ist in der aktuellen Situation wichtiger denn je.


Autorin


Mariola Marzouk, Global Head of Financial Crime and Fraud Insights, BAE Systems Applied Intelligence.

Bildquellen: Photo by rupixen.com on Unsplash und BAE Systems


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