Deutsche zahlen 46 Mrd. Dollar für Compliance

Deutsche zahlen 46 Mrd. Dollar für Compliance
11.07.2017

Verstöße gegen Geldwäscheregelungen können sich Finanzdienstleister kaum noch leisten, davon zeugen zahlreiche teils drakonische Strafen, die – vor allem US-amerikanische – Aufsichtsbehörden in den letzten Jahren verhängt haben. Aber auch für die Vorsorge müssen die Banken große Aufwendungen tätigen. Ein Anbieter von Risk-Solution-Modellen beziffert die Gesamtkosten für die deutschen Unternehmen aktuell auf 46,4 Mrd. US-$ pro Jahr. Diese Zahl beruht auf einer Umfrage unter 51 deutschen Banken, Investment- und Vermögensverwaltern sowie Gelddienstleistern. Hierbei bezifferten die großen Unternehmen ihre Aufwendungen für KYC- und AML-Compliance im Schnitt auf 38,3 Mio. US-$, ein Zehntel dieser Summe geben kleinere Unternehmen (Bilanzsumme bis 10 Mrd. US-$) aus. Die Gesamtkosten für Geldwäsche-Compliance stiegen den Befragten zufolge in den letzten beiden Jahren um 22 Prozent.

Der Löwenanteil entfällt auf die Personalkosten. Sie verschlingen drei Viertel der Summe. Vor allem im Bereich KYC (Know Your Customer) fallen viele Arbeitsstunden für die Informationsbeschaffung, das Screening von Beobachtungslisten und die Risikobewertung an. „Kleine Unternehmen tragen dabei eine höhere prozentuale Last als Großunternehmen“, sagt Seyfi Günay, Direktor für Finanzkriminalität und Compliance bei LexisNexis. Er führt dies darauf zurück, dass für die Einrichtung von Compliance-Modellen einige grundsätzliche Investitionen als Sockelbeitrag unverzichtbar sind.
Unterschiede gibt es aber auch in der regionalen Betrachtung. Deutschland liegt in Sachen Compliance-Kosten weit vor den europäischen Nachbarländern. Das ist einerseits darauf zurückzuführen, dass die Zahl der Banken hierzulande einfach höher ist als anderswo. Andererseits verlassen sich deutsche Finanzfirmen aber mehr auf zeitaufwendige, menschlich-manuelle Modelle als auf technologisch unterstützte Varianten für das Risikomanagement. Deshalb steigen die Kosten mit der Unternehmensgröße exponentiell an, da in den Arbeitskosten mehrere Komponenten und Gemeinkosten enthalten sind und die Ausgaben fürs Personal jährlich steigen.


Die Studie ist die europäische Fortsetzung der 2016 bereits für den asiatisch-pazifischen Raum erschienenen Studie „True Cost of AML-Compliance“. Aufgeschlüsselt wurden darin nicht nur die tatsächlichen Ausgaben für Anti-Geldwäsche-Modelle, sondern auch die Verteilung der Ausgaben nach dem jeweiligen Compliance-Bereich, also Sanktionen, Transaktionsüberwachung, Technologie, KYC Due Diligence usw., sowie die Verteilung auf die Personalstellen. Die Größe deutscher Compliance-Teams spiegelt die Unternehmensgrößen wider, d. h. kleinere Anbieter setzen weniger Mitarbeiter ein. Auch die Arbeitslast bezogen auf die Anzahl von pro Tag überprüften Namen ist ungefähr proportional. Firmen mit mittleren und großen Assets haben tendenziell den doppelten Vollzeitstellen-Personalbestand im Compliance-Sektor. Unabhängig von ihrer Kapitalisierung verwenden die meisten Firmen für Compliance und Sanctions Screening getrennte Teams. Und diese sind gut beschäftigt: Die Klärung einer Verdachtsmeldung aus der AML-Transaktionsüberwachung dauert durchschnittlich 22 Stunden, also fast drei Arbeitstage, und die Zahl der Meldungen wird in diesem Jahr weiter ansteigen, fürchten 56 Prozent der Befragten. Die AML-Compliance hat auch negative Auswirkungen auf die Produktivität und Kundenakquise, sagten 76 Prozent der Befragten. Jeder Zweite geht davon aus, dass zwischen 3 und 6 Prozent der Kontoeröffnungsanträge wegen AML-Compliance zur Ablehnung des Kunden führen.

Die Vorsorge vor Geldwäsche wird aber nicht nur nachteilig gesehen. 87 Prozent der Befragten erfahren Compliance-Modelle als positiv; sie erleben bessere Daten für ihre Kundenbeziehungen, haben mehr Wissen über ihre Kunden und deren Risikotoleranz. Außerdem können sie ihr eigenes Risikomanagement besser kontrollieren. Allerdings müssen Firmen vorsichtig vorgehen, um ein summarisches De-Risking ganzer Sektoren zu vermeiden, sagt Günay. Dies könne bei Aufsichtsbehörden zu negativen Geschäftsergebnissen und zur Beeinträchtigung der Markenreputation führen.    (Anja U. Kraus)

 

 

Bildquelle:  ©zest_marina - Fotolia.com


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