Wirecard stellt Antrag auf Insolvenz

Durchsuchung bei Wirecard
18.06.2020

Beim Zahlungsdienstleiter Wirecard sind erneut die Ermittler angerückt: Am Mittwochmorgen durchsuchte die Staatsanwaltschaft München I im Ermittlungsverfahren gegen (ehemalige) Verantwortliche der Wirecard insgesamt fünf Objekte, drei davon in München, darunter der Firmensitz der Wirecard AG in Aschheim, und zwei Objekte in Österreich im Wege der Rechtshilfe. Zwölf Staatsanwälte vor Ort seien von 33 Polizeibeamten und weiteren IT-Fachleuten des Polizeipräsidiums München und ihren österreichischen Kollegen unterstützt worden, teilte die Staatsanwaltschaft mit. Es gehe dabei in erster Linie um die Vorwürfe, die auch Grundlage des unter anderem gegen den ehemaligen Vorstandsvorsitzenden Dr. Markus Braun erlassenen Haftbefehls sind, also unrichtige Angaben und Marktmanipulation gemäß § 331 Handelsgesetzbuchs, § 119 Wertpapierhandelsgesetz in mehreren Fällen, hieß es.

Wirecard hatte in der letzten Woche einen Insolvenzantrag gestellt. „Der Vorstand der Wirecard AG hat heute entschieden, für die Wirecard AG beim zuständigen Amtsgericht München einen Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens wegen drohender Zahlungsunfähigkeit und Überschuldung zu stellen. Es wird geprüft, ob auch Insolvenzanträge für Tochtergesellschaften der Wirecard-Gruppe gestellt werden müssen“, teilte die Firma am Donnerstag, den 25. Juni mit. Die Wirecard-Aktie wurde Medienberichten zufolge für 60 Minuten vom Handel ausgesetzt. Zuvor seien die Papiere erstmals seit Sommer 2011 zu einstelligem Kurs gehandelt worden. Mit 9,96 Euro hätten sie den tiefsten Stand seit August 2011 erreicht.

Aus der U-Haft entlassen

Braun war am Dienstag, den 23. Juni gegen Kaution aus der Untersuchungshaft entlassen worden. Er hatte sich laut Staatsanwaltschaft München zuvor gestellt. Diese legt nach ihren bisherigen Ermittlungen dem Beschuldigten zur Last, im Zusammenwirken mit weiteren Tätern die Bilanzsumme und das Umsatzvolumen der Wirecard AG durch vorgetäuschte Einnahmen aus Geschäften mit sogenannten Third-Party-Acquirern (TPA) aufgebläht zu haben, um so das Unternehmen finanzkräftiger und für Investoren und Kunden attraktiver darzustellen, hieß es.

Besonders im Fokus der hinsichtlich dieses Tatvorwurfs laufenden Ermittlungen stehen demnach angebliche Bankguthaben auf Treuhandkonten bei zwei philippinischen Banken in Höhe von mehr als 1,9 Mrd. Euro. Braun habe in einer adhoc-Mitteilung erklärt, dass diese Bankguthaben „mit überwiegender Wahrscheinlichkeit nicht bestehen“. Nach derzeitiger rechtlicher Prüfung begründe das Verhalten des Beschuldigten den Verdacht der unrichtigen Darstellung jeweils in Tateinheit mit Marktmanipulation in mehreren Fällen, so die Justizbehörde. (ud) 

Bildquelle: iStock.com/jacus


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