Erster Anwalt wegen Cum-ex in U-Haft
28.11.2019

Im Steuerskandal um Cum-ex-Aktiendeals sitzt erstmals ein Beschuldigter in Untersuchungshaft. Medienberichten zufolge handelt es sich um einen Rechtsanwalt, der für eine international tätige Großkanzlei gearbeitet habe. Bundesweit sei es die erste Festnahme eines Rechtsanwalts wegen Cum-Ex-Geschäften, hieß es. Dem Mann werde Beteiligung an Steuerhinterziehung vorgeworfen. Er sei bereits am letzten Freitag an seinem Wohnort in Hessen festgenommen worden. Zuvor hatten die Süddeutsche Zeitung und der WDR von dem Fall berichtet. Weitere Details wurden nicht bekanntgegeben.

Der Vorsitzende von Transparency Deutschland Hartmut Bäumer begrüßte, dass mit der Inhaftierung ein „klares Zeichen“ gesetzt wurde und die deutsche Justiz nicht mehr gewillt sei, „kriminelles Finanzgebahren als Kavaliersdelikt abzutun.“ Es dürfe jedoch nicht dabei bleiben, einen Vertreter zu belangen, sondern der Einfluss von Großkanzleien auf die Politik selbst müsse ins Visier genommen werden. „Die Bundesregierung ist aufgefordert, die intensiven geschäftlichen Beziehungen mit diesen Anwaltskanzleien kritisch zu hinterfragen“, so Bäumer.  

Der Cum-ex-Skandal gilt als größte Steueraffäre in der Geschichte der Bundesrepublik. Jahrelang sollen sich Banken und Berater über komplexe Aktiengeschäfte an der Staatskasse bedient haben. Die Beteiligten ließen sich dabei Steuern erstatten, die zuvor niemand an den Fiskus entrichtet hatte. Der finanzielle Schaden geht in die Milliarden. In Bonn müssen sich wegen der Angelegenheit derzeit zwei frühere Aktienhändler vor Gericht verantworten. (ud)

Bildquelle: istock.com/Stadtratte


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