Ex-Wirecard-Chef Braun verweigert die Aussage
19.11.2020

Der frühere Vorstandsvorsitzende des insolventen Wirecard-Konzerns, Markus Braun, hat sich geweigert, die Fragen der Abgeordneten des Deutschen Bundestags zu beantworten. Die 6. Sitzung des 3. Untersuchungsausschusses („Wirecard-Ausschuss“) am 19. November 2020 sei damit für die Parlamentarier zunächst unbefriedigend verlaufen, teilte der Informationsdienst „heute im bundestag“ (hib) am Donnerstag in Berlin mit. Braun berief sich den Angaben zufolge gleich zu Beginn der Sitzung in einer vorbereiteten Erklärung auf sein Recht, die Aussage da zu verweigern, wo er sich selbst belaste. Braun habe stattdessen eine umfangreiche Aussage gegenüber der Staatsanwaltschaft München angekündigt. Die Ermittlungsbehörden und die zuständigen Berichte hätten Vorrang.

Die Gläubiger des insolventen Zahlungsdienstleisters Wirecard AG meldeten am Mittwoch auf ihrer Versammlung in München Forderungen in Höhe von mehr als 12 Mrd. Euro an. Wie das Amtsgericht München mitteilte, seien im Löwenbräukeller insgesamt 74 Personen anwesend gewesen, die 11.500 Gläubiger vertreten hätten. Die Gläubigerforderungen gingen damit deutlich über die bislang erzielten Erlöse bei der Abwicklung des Unternehmens hinaus, so Medienberichte. Denn neben den geschädigten Kreditinstituten und Geschäftspartnern hätten auch zahlreiche Aktionäre Schadenersatzforderungen geltend gemacht. Zudem gebe es weitere Ansprüche gegen andere Wirecard-Gesellschaften, für die auch Gläubigertreffen angesetzt seien. Allein die Fondsgesellschaft DWS meldet demnach Forderungen von mehr als 600 Mio. Euro an. Experten gingen allerdings davon aus, dass die Gläubiger nur einen kleinen Teil ihrer Forderungen wiedererlangen, hieß es.

Banco Santander erwirbt Technologieplattform 

In den Insolvenzverfahren über das Vermögen der Wirecard AG, die Wirecard Technologies GmbH und weiterer Gesellschaften des Wirecard-Konzerns wurde der europäische Kernbereich nach einem intensiven Investorenprozess verkauft. Banco Santander werde die Technologieplattform des Zahlungsdienstleisters in Europa sowie alle dafür notwendigen Vermögenswerte übernehmen, hieß es in einer Mitteilung. Der Verkaufspreis beträgt Medieninformationen zufolge rund 100 Mio. Euro. Gleichzeitig werde der Großteil aller verbliebenen Wirecard-Mitarbeiter im Geschäftsbereich Acquiring & Issuing Teil des globalen Händlerservice-Teams von Santander, hieß es in der Mitteilung. Dies gelte auch für die Mehrzahl der Mitarbeiter der Wirecard Bank AG, die nach Vollzug der Transaktion in enger Abstimmung mit den Aufsichtsbehörden geordnet heruntergefahren werden solle. Die Transaktion stehe unter dem Vorbehalt der kartellrechtlichen Genehmigung und werde voraussichtlich bis Ende des Jahres abgeschlossen sein.

Santander wolle mit dem Erwerb des Acquiring- und Issuing-Geschäfts von Wirecard ihre Wachstumspläne auf dem Gebiet der Zahlungsdienstleistungen und des damit verbundenen Händlergeschäfts in Europa beschleunigen und ihre Position hier stärken. Der Großteil der noch verbliebenen Wirecard-Mitarbeiter und die Technologieplattform würden Teil des globalen Händlerservice-Teams von Santander und künftig unter der Dachmarke Getnet geführt werden. Mit der Übernahme beschleunige Getnet seine Expansion und erweitere die Kapazitäten im E-Commerce und im multinationalen Handelsservice sowie bei anderen Zahlungsdiensten in Europa.

Mit dem Verkauf des Kernbereichs von Wirecard seien knapp drei Monate nach Eröffnung des Insolvenzverfahrens die wesentlichen laufenden Geschäftsbetriebe verwertet worden. Der Insolvenzverwalter Dr. Michael Jaffé hatte den Angaben zufolge zuvor bereits die eigenständigen Tochtergesellschaften in Brasilien, Rumänien und Nordamerika erfolgreich veräußern können. Die Erlöse kämen jeweils den Gläubigern zugute. Derzeit liefen noch Investorenprozesse für weitere Tochtergesellschaften unter anderem in Asien, Südafrika und der Türkei. Auch hier werde in den nächsten Wochen mit Ergebnissen gerechnet, hieß es. (ud)

Bildquelle: iStock.com/skynesher


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