Gegen Ungleichheiten: Steuerumgehung global bekämpfen
04.12.2018

Eine supranationale „Welt-Steuerbehörde“, die befugt sein soll, nationale Steuersysteme zu koordinieren und so Ungleichheiten zu bekämpfen vermag? Das klingt nach einer guten Idee. Noch ist das aber nur das Gedankenspiel eines britischen Finanzexperten. Photis Lysandrou, Professor am Forschungszentrum für Global Political Economy der City (University of London) hält solch ein internationales Gremium für unerlässlich, da das derzeitige Finanzsystem auf eine stärkere Konzentration des Vermögens und weitere Finanzkrisen ausgerichtet sei. Die neue Behörde sollte sich insbesondere an vermögenden Privatpersonen mit einem Nettovermögen von mindestens 30 Mio. US-Dollar orientieren. Große Geldbeträge, die in diesen Kreisen durch Steuerumgehung verloren gehen, könnten von der Welt-Steuerbehörde wieder eingesammelt werden. Dieses Geld könnten die Regierungen dann sinnvoll investieren, etwa in Projekte und Dienstleistungen, und so auf mehr Arbeitsplätze und bessere Löhne hinwirken. 

Der Finanz-Professor betrachtet die Weltfinanzkrise aus einer Perspektive, die das internationale Warensystem als eine neu funktionierende Gesamtheit wahrnimmt, die sowohl staatliche als auch private Einrichtungen sowie finanzielle Sicherheiten und materielle Güter und Dienstleistungen umfasst. Die durch dieses System verursachte Vermögensungleichheit führe zu wiederholten Finanzkrisen, weshalb neue internationale Institutionen zur Kontrolle nötig wären – mit der globalen Steuerbehörde als erste dieser Einrichtungen.

Die von Lysandrou gesammelten Daten zeigen, dass nach der Finanzkrise das von hochvermögenden Privatpersonen angesammelte Gesamtvermögen exorbitant gestiegen sei. Hinzu kommt, dass 34 Prozent der im Jahr 2015 angesammelten 59 Bio. Dollar unter lediglich 145.000 Menschen verteilt seien. Die Gesellschaft sei noch lange nicht bereit, auf ein anderes Organisationsprinzip umzusteigen. Deshalb bestehe der einzige Weg, „Finanzkrisen in der Größenordnung der letzten zu vermeiden darin, dem globalen Warensystem zu ermöglichen, weiterhin als vollständige Gesamtheit zu funktionieren und gleichzeitig seine negativen Auswirkungen zu kontrollieren“, so der Finanzexperte. Eine Welt-Steuerbehörde würde nur einen kleinen Beitrag zur Erreichung dieses Ziels leisten, könne aber als erste Initiative die zur Schaffung weiterer führen. „Gemeinsam könnten sie die derzeitigen Ungleichheiten in der Einkommens- und Vermögensverteilung, die inzwischen obszöne Ausmaße angenommen haben, beseitigen."

Seine Vorschläge gingen weiter als ähnliche Ideen des Ökonomen Thomas Piketty, erläutert Lysandrou in einem neuen Buch. Der Wissenschaftler behauptet, dass Piketty die Vermögenskonzentration nicht als die Hauptursache der Finanzkrise 2008 priorisiere und daher nur ein moralisches Argument für eine globale Vermögenssteuer liefern könne. Er selbst bringe ein wirtschaftliches Argument für die Steuer vor, indem er zeige, dass die Superreichen weltweit eine Schlüsselrolle in der Krise gespielt hätten. (kra) 

Bildquelle: ©OcusFocus | istockphoto.com


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