Geldwäscheprävention bei Zahlungsinstituten
27.02.2015

Die Prävention von Betrug, Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung ist für reine Zahlungsverkehrsdienstleister ungleich schwieriger zu bewerkstelligen als für klassische Kreditinstitute. Ein Grundproblem ist dabei, dass über die Kunden und die Vermögenslage der Händler nur äußerst rudimentäre Informationen vorliegen. Die Mittelherkunft ist zumeist nur in seltenen Fällen aufzuklären und Verdachtsmomente können ausschließlich auf den bekannten Fakten (z.B. Branche des Händlers, bisheriges Transaktionsvolumen usw.) bzw. auf Erfahrungswissen (Betrugsraster) aufbauen. „Klassische Maßstäbe zur Erkennung von Geldwäsche sind für Multi-Channel-Anbieter im Bereich Kartenzahlungen und Terminals sowie Online-Bezahllösungen kaum hilfreich“, weiß Ralf Inderwies (Foto), Geldwäschebeauftragter der Deutsche Ingenico Holding GmbH, die alleine in Deutschland jährlich 1,25 Mrd. Transaktionen im Volumen von über 65 Mrd. € abgewickelt. Die Struktur eines effektiven Präventionssystems bedarf deshalb einer Anpassung, etwa im Onboarding-Prozess, wo ein Check gegen externe Sanktionslisten und interne Fraud-Listen (Match, VMAS etc.) erfolgen muss. Dabei werden auch Branchenanalysen (Glücksspiel, Rotlicht, Waffen usw.), Bonitäts- und Plausibilitätsprüfungen des avisierten Umsatzvolumens vorgenommen. „Im Rahmen von laufenden Geschäftsverbindungen empfiehlt sich eine Definition von harten Stopps, beispielsweise Refunds auf Kreditkarten, aber auch eine zentrale Sichtung von Postrückläufern oder wesentlichen Bonitätsveränderungen“, so Inderwies vor Zahlungsverkehrsexperten im Rahmen einer Fachkonferenz in Köln. Bei der Überwachung des Transaktionsverhaltens stellt sich die Compliance-Abteilung etwa die Frage, ob das Umsatzvolumen zu den avisierten Umsätzen passt, bestimmte Karten wiederholt benutzt werden, auffällige Betragsmuster erkennbar sind oder Umsätze außerhalb der für die Branche üblichen Geschäftszeiten erfolgen. Obgleich gemäß § 25 h KWG nur Kredit- und Finanzdienstleistungsinstitute zu umfangreichen Sicherungsmaßnahmen gegen Geldwäsche, Terrorismusfinanzierung sowie sonstigen strafbaren Handlungen zu Lasten des Instituts verpflichtet sind, empfiehlt Compliance-Experte Inderwies auch Zahlungsinstituten entsprechenden Risikopräventionsmaßnahmen. „Im Hinblick auf das generelle Risikomanagement sollte es auch im Eigeninteresse von Zahlungsinstituten liegen, entsprechende Maßnahmen zu implementieren und eine zentrale Stelle mit der Umsetzung und Überwachung zu betrauen“, so Inderwies. (Stefan Hirschmann)


[zurück]