HSBC leidet unter hohem Compliance-Aufwand
07.08.2014

Die HSBC Holding hat im ersten Halbjahr wegen nachlassender Geschäfte im Investmentbanking und in einigen wichtigen asiatischen Märkten einen Gewinnrückgang um 5 Prozent verzeichnet. Chairman Douglas Flint machte das schwierige Umfeld mitverantwortlich dafür. Die Menge an Strafen und Gesetzen verschrecke die Manager selbst bei Geschäften mit normalem Risiko. Hohe Kosten für eine ordnungsgemäße Unternehmensführung schlugen sich ebenfalls im Ergebnis nieder. Flint anerkannte angesichts der "Unzulänglichkeiten" der Branche in der Vergangenheit die Notwendigkeit, dass Behörden weltweit den Bankern genauer auf die Finger schauen und auch Strafen verhängen. Gleichzeitig forderte er, dass die Behörden ihre Erwartungen an die Banker klar definieren. Ansonsten liefen sie Gefahr, dass die Banken sich bei der Genehmigung von Krediten oder dem Verkauf von Produkten aus Angst vor möglichen Fehlern zurückhalten.

Großbritannien will den Bankensektor mit verschärften Regulierungen zu mehr Verantwortung zwingen. So sollen Bankmanager gezwungen werden, ihre Boni der zurückliegenden sieben Jahre zurückzuzahlen, wenn ihnen unverantwortliches Verhalten nachgewiesen wird. Außerdem sollen die Aufseher mehr Macht bekommen, Einzelpersonen zur Rechenschaft zu ziehen. Flint sprach mit Blick auf die Vielzahl der Reformen denn auch von einer wachsenden "Ermüdung" und minimalem Spielraum für die Compliance-Mitarbeiter der Bank. Unter anderem plant das Land auch die Abspaltung des Privatkundengeschäfts vom übrigen Bankgeschäft bis 2019. Hinzu kämen diverse Stresstests. Der Manager warnte davor, dass all dies zu "Null Toleranz" beim Risiko führen könnte. Bankengeschäft bedeute aber immer ein gewisses Risiko. Wohlhabende Kunden könnten künftig nur noch auf die simpelsten Produkte setzen, und Unternehmen könnten womöglich keine Kredite mehr bekommen, so Flint. Dies wiederum würde weltweit auf Handel und Investitionen durchschlagen. Im ersten Halbjahr seien die operativen Kosten der Bank, ohne Sonderkosten, um 4 Prozent gestiegen, so die Bank. Zum Teil sei dies auf die höheren Anforderungen und Standards zurückzuführen. Details nannte die HSBC nicht. 2013 hat sie die Zahl der Mitarbeiter im Bereich ordnungsgemäße Unternehmensführung um mehr als 1.750 aufgestockt. Sie habe sich damit seit 2012 um mehr als 50 Prozent erhöht. Seinerzeit hatte die Bank Untersuchungen der Behörden wegen Geldwäsche gegen Zahlung einer Rekordstrafe von 1,9 Milliarden Dollar beigelegt. (Von Margot Patrick/DJN)

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