Keine Lizenz, aber mit Bankdienstleistungen wachsen

Keine Lizenz, aber mit Bankdienstleistungen wachsen
10.04.2018

Der kalifornische Zahlungsdienstleister Paypal hat einigen Kunden in den vergangenen Monaten zusätzliche Funktionen für ihr Nutzerkonto angeboten. Sie können jetzt ihr Guthaben über den amerikanischen Einlagensicherungsfonds FDIC versichern und ihr Gehalt auf ihr Paypal-Konto überweisen lassen. Außerdem haben sie die Option auf eine Girokarte, mit der sie an Automaten Bargeld von ihrem Paypal-Konto abheben können. 

Die Sache hat jedoch einen Haken: Paypal hat in den USA keine Banklizenz. Die FDIC versichert keine Einlagen bei Nichtbanken, und Visa und Mastercard erlauben die Nutzung ihres Netzwerks nur mit von Banken ausgegebenen Karten. Paypal arbeitet deshalb mit einer Reihe kleiner Banken zusammen, die hinter den Kulissen verborgen bleiben. Eine Bank aus dem US-Bundesstaat Delaware übernimmt die Ausgabe der Bankkarten, eine Bank aus Georgia löst Schecks ein, die Nutzer per Foto einreichen, und Banken in Utah vergeben für Paypal Kredite an Verbraucher und kleine Unternehmen. Es gehe vor allem darum, die Lieferkette zusammenzufügen, analysierte ein auf Zahlungsverkehr spezialisierter Anwalt. Man könne mit Technologie den Anschein der Integration verschiedener Konten bei unterschiedlichen Finanzinstituten erwecken. Nutzer müssen Gebühren zahlen, wenn sie Geldautomaten nutzen, die nicht im Netzwerk von Paypal sind. Wenn sie per Smartphone-Foto einen Scheck einreichen, werden Gebühren in Höhe von einem Prozent fällig. Es gibt keine monatlichen Grundgebühren und keinen Mindestkontostand, um die neuen Dienste zu nutzen. 2012 brachte Paypal bereits eine Prepaid-Karte auf den Markt, allerdings wurden bei Kontoeröffnung und bei Aufladen der Karte Gebühren fällig.

Auch andere Technologiefirmen hoffen, in Zukunft Bankdienstleistungen anzubieten. Square vergibt inzwischen Bankkarten an Nutzer der Cash App, und Amazon.com feilt an einem Girokonto-ähnlichen Produkt für Kunden. Gleichzeitig streichen einige Großbanken Dienstleistungen, die jahrelang zum Standardprogramm vieler Banken gehörten. Bank of America hat Anfang des Jahres ein kostenloses Girokonto eingestellt, das bei Kunden mit geringem Einkommen beliebt war. Jetzt müssen sie monatliche Gebühren von 12 US-Dollar zahlen, sofern sie bestimmte Bedingungen nicht erfüllen.

Paypal-COO Bill Ready sagt, dass das Unternehmen Kunden erreichen wolle, die sonst kein Bankkonto haben, um ihnen dadurch Zugang zur digitalen Wirtschaft zu gewähren. "Wer kein Bankkonto hat, kann kein Uber rufen und kein Zimmer bei Airbnb mieten", sagt Ready. Nutzer, die neben ihrem Paypal-Konto bereits ein Bankkonto haben, seien nicht die richtigen Kunden für das neue Angebot. Die Kooperation mit unterschiedlichen Banken ermögliche es dem Unternehmen, Produkte schneller auf den Markt zu bringen. Paypal selbst wolle jedoch keine Bank werden, sagt Ready. Seit Ende vergangenen Jahres haben einige Paypal-Nutzer durch die Zusammenarbeit mit dem Fintech-Start-up Acorns Grow außerdem Zugang zu automatisierten Spar- und Investmentprodukten. (DJN) 

Bildquelle: ©JasonDoiy | istockphoto.com


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