Korruption auf dem Vormarsch

Korruption auf dem Vormarsch
05.04.2017

Das Bild des ehrbaren Kaufmannes hat innerhalb der deutschen Wirtschaft deutliche Kratzer erlitten: 43 Prozent der deutschen Manager halten Bestechung und Korruption auch hierzulande mittlerweile für weit verbreitet. 2015 war die Wahrnehmung von Korruption dagegen noch positiver: Nur 26 Prozent der Manager hielten sie damals für alltäglich. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie von Ernst & Young (EY), für die rund 4.100 Entscheidungsträger aus Unternehmen in 41 Ländern befragt wurden. Zu unlauteren Mitteln greifen Deutsche Manager dabei eher zu Gunsten ihrer Karriere, als zum vermeintlichen Wohle des Konzerns. So sagt fast ein Viertel (23 Prozent) von sich, dass sie für das eigene berufliche Fortkommen und eine höhere Bezahlung unethisch handeln würden. Weitere 10 Prozent könnten sich sogar vorstellen, der Unternehmensführung Falschinformationen zu geben, um ihre Karriere oder Bezahlung zu verbessern. Geht es dagegen um das Unternehmen, halten sich deutsche Manager im internationalen Vergleich eher an die Regeln: Nur 4 Prozent würden die Finanzzahlen falsch darstellen, um Ziele zu erfüllen.

Trotz aller Compliance-Seminare und oftmals verpflichtenden Schulungen, müsse Compliance allerdings auf der obersten Führungsebene anfangen und vorgelebt werden, wie Stefan Heißner, Leiter Fraud Investigation & Dispute Services bei EY, betont. Denn bereits mehr als die Hälfte (52 Prozent) der Manager in Deutschland ist in ihrem Berufsleben bereits mit Verfehlungen konfrontiert worden. Jeder zehnte Befragte hat sogar bereits einmal wegen unethischen Verhaltens der Firma gekündigt – jeder Dritte hat eine Kündigung aus diesem Grund zumindest erwogen.

Ein Faktor, der Manager in den Unternehmen zu unlauteren Mitteln greifen lassen könnte, ist die zunehmende Volatilität weltweit, die sich negativ auf die Geschäftsentwicklung auswirken kann. So sagen 58 Prozent der Manager in den befragten Ländern, dass der Unternehmenserfolg durch langsameres Wirtschaftswachstum bedroht ist. „Volatilität ist die neue Normalität – rechtfertigt aber nicht den Einsatz unsauberer Methoden“, sagt Heißner.

 

Bildquelle: ©weseetheworld - Fotolia


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