EU-Kommission verstärkt Kampf gegen Geldwäsche

Kreditvergabe: Rasche Prüfung mit internationalen KYC-Plattformen
08.05.2020

Banken stehen in der Corona-Krise unter dem Druck, Kredite schnell und unbürokratisch freizugeben. Ein Weg zu mehr Effizienz ist es, eine digitale Plattform zu nutzen, die die notwendigen Prozesse vereinfacht. Banken müssen ihre Firmenkunden dabei sehr genau unter die Lupe nehmen. Hintergrund ist das Geldwäschegesetz.

Die Corona-Krise trifft viele Unternehmen hart – über fast alle Branchen hinweg. Nur der Bankensektor blickt noch relativ entspannt auf die wirtschaftlichen Folgen der Pandemie. Denn der Liquiditätsbedarf ist derzeit so hoch wie selten zuvor, besonders kleine und mittelständische Unternehmen (KMU) benötigen kurzfristig Kredite, um ihren Fortbetrieb sicherzustellen. Zwar hat der Bund Soforthilfen zugesagt und Sonderkredite der Förderbank KfW bewilligt, doch für viele Firmen werden die politischen Hilfen nur einen kleinen Teil der benötigten Mittel ausmachen.

Banken stehen jetzt vor der Herausforderung, die Identität der Kreditnehmer schnell zu prüfen und zu verifizieren, um die Darlehen in kurzer Zeit zu gewähren – das ist in einer solchen Krisensituation, wie wir sie heute erleben, noch wichtiger als sonst üblich. Die Institute müssen alle Prüfungen inklusive der Kreditwürdigkeit selbstverständlich mit der gleichen Qualität und Sorgfalt vornehmen wie bisher, Fehler und daraus folgende Falschbeurteilungen wären fatal.

Geldwäschegesetz schreibt Prüfung vor

Die Regulatorik in der Bankenbranche hat sich aufgrund vermehrt auftretender Geldwäscheprobleme verschärft. Banken müssen ihre Firmenkunden nun sehr genau unter die Lupe nehmen. Ansonsten ist es gar nicht erst möglich, eine Geschäftsbeziehung aufzubauen. Seit der Reform des Geldwäschegesetzes im Jahr 2017 müssen die Unternehmen mehr als 250 Fragen beantworten, bevor die Banken ihre Zustimmung geben können. Auf diesem Weg möchte der Gesetzgeber sicherstellen, dass die Kontoinhaber die von der Bank bereitgestellten Konten nicht für Geldwäsche oder andere Formen der Finanzkriminalität nutzen.

Die notwendige Validierung der Unternehmen kann aufwändig sein, insbesondere wenn es sich bei dem Neukunden um einen Großkonzern handelt. Großkonzerne haben häufig viele Tochtergesellschaften mit verschiedenen und ineinander verflochtenen Geschäftsstrukturen. Die Prüfung dieser Daten und deren Korrektheit obliegt den Banken. Dazu gibt es eigene Abteilungen, die sich ausschließlich mit der Prüfung solcher Datensätze befassen. Besonders in der aktuellen Situation, in der die Nachfrage nach Krediten weiter steigt, fällt für die Mitarbeiter eine sehr hohe Arbeitsbelastung an – somit entstehen leider auch Fehler.

Effiziente Unternehmensprüfung mittels KYC-Plattform

Damit Banken die Daten ihrer Kreditnehmer schnell und risikofrei zur Verfügung gestellt bekommen, sollten sie erwägen, eine KYC-Plattform zu nutzen – KYC steht für „Know Your Customer“, zu Deutsch „Kenne Deinen Kunden“. Eine solche Plattform sammelt die regulatorisch erforderlichen und auch bankindividuell festgelegten Daten, die für eine Unternehmensprüfung relevant sind. Die Banken sparen sich somit den Aufwand, beim Kreditnehmer die entscheidenden Daten anzufragen, da sie über die Plattform direkt darauf zugreifen können. Die Anbieter der Plattform prüfen die Daten einmalig auf ihre Richtigkeit und Vollständigkeit.

Kleine und mittelständische Unternehmen, die Kredite anfragen, benötigen diese gerade im Rahmen der derzeitigen Corona-Krise kurzfristig. Oftmals ist es eine Frage von Tagen, ob sie ihren Geschäftsbetrieb aufrechterhalten können oder nicht. Daher bevorzugen sie bei der Kreditanfrage Anbieter, die schnell reagieren und die angefragten Kredite bewilligen. Banken, die zunächst die Anforderungen für die Kreditbewilligung manuell prüfen müssen, können dann schnell außen vor sein.

Die Nutzung einer KYC-Plattform erlaubt es, über die Kreditvergabe in kürzester Zeit und ohne Mehraufwand zu entscheiden und auch auf bestehenden Daten seitens der Unternehmen aufzusetzen. Dies spart Aufwand und Zeit bei Geldhäusern wie auch den Unternehmen selbst. Das Thema KYC steckt jedoch nach wie vor in den Kinderschuhen. Die Zahl relevanter Anbieter einer solchen Lösung ist überschaubar – in Deutschland gibt es aktuell lediglich einen.

Digitalisierung im Bankensektor

Banken, die bereits jetzt eine KYC-Plattform nutzen, um Kreditnehmerdaten effizient abzufragen, sind nicht erst seit der Krise rund um die Ausbreitung des Corona-Virus im Vorteil – und sie werden es auch nach überwundener Pandemie sein. Die Digitalisierung hat den Bankensektor bereits stark geprägt – etwa im Bereich des Firmenkundengeschäfts. Unternehmen können etwa ihre Bankangelegenheiten häufig bereits im Netz abwickeln, ohne persönlich in der Filiale vorstellig zu werden. Das hat besonders in Corona-Zeiten einen entscheidenden Vorteil: Die dringend notwendigen Kredite, die entscheidend für das Fortbestehen des Unternehmens sind, können ohne persönlichen Kontakt beantragt werden.

Diese Entwicklung führt bei den Banken zu einem notwendigen Paradigmenwechsel: Sie erkennen den Nutzen digitaler Plattformlösungen, wozu auch eine KYC-Plattform als erster Baustein in der Kundenanbahnung zählt. Die Liquiditätsoptimierung steht ganz oben auf der Agenda, genauso wie eine internationalere Ausrichtung beim Angebot. Das zeigt sich auch in der derzeitigen Krise: Die Internationalität der Plattform ist äußerst wichtig, denn auch bei der Pandemie handelt es sich um eine globale Krise. Um in einer prekären Situation vorne mitspielen zu können, muss sich der Bankensektor daher jetzt wappnen. Wer zu spät reagiert, für den ist der sprichwörtliche Zug vermutlich abgefahren.

Fazit

Die Corona-Krise stellt Banken nicht vor unmittelbar existenzielle Probleme, denn der Liquiditätsbedarf bei kleinen und mittelständischen Unternehmen ist so groß wie selten zuvor. Dennoch muss der Bankensektor die Digitalisierung konsequent vorantreiben, um auch in Zukunft in Krisensituationen gut gewappnet zu sein. Unternehmen mit Liquiditätsengpässen benötigen schnelle Zusagen für angefragte Kredite, während Banken nach wie vor die Qualität, Richtigkeit und Vollständigkeit der Unternehmensprüfung sicherstellen müssen. Jede Anfrage und jedes Unternehmen einzeln zu prüfen, ist für das Institut langwierig und aufwändig.

Nutzt die Bank hingegen eine KYC-Plattform, auf der die notwendigen regulatorischen Daten des Unternehmens für die Prüfung bereits hinterlegt sind, kann sie ihre Arbeitsprozesse effizienter gestalten, Mitarbeiter entlasten und die angefragten Kredite schneller bewilligen. Gleichzeitig können Firmenkunden ihre relevanten Daten maßgeschneidert für jede Bankbeziehung wiederverwenden und freigeben. Das bewirkt ein Höchstmaß an Datenschutz, reduziert den Arbeitsaufwand auf der Treasury-Seite und führt zu schneller Liquidität für die Kunden.

Autor

Paul-Gerhard Haase ist Mitglied der Geschäftsleitung bei Arvato Financial Solutions.

Bildquellen: iStock.com/nito100


[zurück]
Weitere interessante News