Menschenschmuggel – florierendes Geschäft mit Geldwäsche-Garantie
06.06.2016

Schmuggler, die Migranten den Weg über geschlossene Grenzen und in relative Sicherheit eröffnen, verdienen derzeit gut. Viele bieten sogar eine Geld-zurück-Garantie. Heute ist die gesamte Flüchtlingsroute nach Nordeuropa geschlossen, über die vergangenes Jahr fast eine Million Migranten nach Deutschland und in andere Staaten kamen. Durchschnittlich zahlten Flüchtlinge an ihre Helfer 4.850 € pro Kopf. Mittlerweile hat sich eine wahre Schleuserindustrie entwickelt, die für Kreditinstitute ein erhebliches Geldwäscherisiko mitbringt. Nach dem Drogenhandel ist der Menschenschmuggel das profitabelste kriminelle Geschäft weltweit. Darauf weisen Pascal Aerens von der Softwarefirma FircoSoft, sowie die Investigativjournalistin Delphine Reuter, die gemeinsam Geldströme und das Risikopotenzial der Schleuser im Mittelmeer erhoben haben. Ungeachtet des ganzen Ausmaßes menschlicher Schicksale und persönlicher Tragödien dürften die zunehmenden Terroranschläge in Europa dieses Problem tendenziell noch verschärfen, denn es wird immer unwahrscheinlicher, dass Europa seine Grenzen für die Weiterreise legaler Flüchtlinge und Migranten wieder öffnet. Die Arbeit der Schleuser dürfte dadurch zwar schwieriger werden, sie können jedoch jederzeit ihre Preise erhöhen. Sie sitzen auf einer Goldgrube. Der Betrag variiert je nach Ziel, Reisekomfort, der Gefahr erwischt zu werden, den Kosten für einen falschen Pass, der Staatsangehörigkeit des Migranten und dem Verhandlungsgeschick. Um mit dem Flugzeug zu reisen, brauchen Migranten einen hochwertigen gefälschten Pass. Schleuser bevorzugen außerdem Kunden, die wie typische Reisende aus dem Schengen-Raum aussehen. Das Geschäftsmodell der Schleuser über See wirft beträchtliche Gewinne ab, so Aerens vor Mitgliedern der Association of Certified Anti-Money Laundering Specialists (ACAMS) in London. Für ein Flüchtlingsboot mit etwa 750 Migranten vereinnahmen die Kriminellen annähernd 3,5 Mio. €. Abzüglich der Kosten für Schiff und Besatzung verbleibt ein Nettoprofit von rund 3,2 Mio. €. Da zumindest ein Teil der Gelder wieder in den legalen Kreislauf zurückgeführt werden soll, erhöht sich für Finanzdienstleister das Geldwäscherisiko in beträchtlichem Maße. Dies gilt nicht nur für südländische Banken im Mittelmeerraum. Eine Verbesserung der KYC-Prozesse fängt sicherlich einen Teil des Risikos ab, schützt allerdings nicht gänzlich vor ungewünschten kriminellen Geschäftsbeziehungen.
(Stefan Breschinski/Stefan Hirschmann)

Bildquelle: Fotolia, Prazis

 

 


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