Merrill Lynch verbietet Handel mit Bitcoin-Fonds

Merrill Lynch verbietet Handel mit Bitcoin-Fonds
05.01.2018

Die US-Bank Merrill Lynch hat Kunden und Finanzberatern, die in ihrem Namen handeln, den Kauf von Bitcoins untersagt. Grund dafür sind Bedenken hinsichtlich der Anlagetauglichkeit der Kryptowährung. Das Verbot gilt für alle Konten und verbietet den rund 17.000 Beratern der Bank nicht nur, Bitcoin-bezogene Investitionen zu tätigen, sondern auch Kundenanfragen für den Handel mit dem Bitcoin-Fonds des Grayscale Investment Trust auszuführen, wie eine informierte Person sagte. Mit dem Verbot wird eine bestehende Richtlinie, die den Einstieg in neu aufgelegte Bitcoin-Futures untersagt, erweitert.

Bestehende Positionen im Bitcoin-Fonds dürften nur in Brokerage-Konten, aber nicht in gebührenpflichtigen Beratungskonten gehalten werden, sagte der Informant. Die Tochter der Bank of America Corp habe die Richtlinie bereits am 8. Dezember eingeführt, direkt vor der Produkteinführung der ersten US-Bitcoin-Futures. Der Bitcoin-Investment-Trust von Grayscale ist ein offener Trust, der ausschließlich in Bitcoin investiert ist und seinen Wert aus dem Preis der Kryptowährung ableitet. Er wurde laut Grayscale Investments LLC für Investoren aufgelegt, die ein traditionelles Investmentvehikel suchen, um in Bitcoin zu investieren und wird außerbörslich unter dem Handelssymbol GBTC gehandelt. "Die Entscheidung, GBTC für neue Käufe zu schließen, wird durch Bedenken hinsichtlich der Tauglichkeit und Eignung dieses Produkts getrieben", heißt es in einem internen Memo, in das das Wall Street Journal Einblick hatte und das sich auf das Handelssymbol des Grayscale-Fonds bezieht. Eine Sprecherin von Merrill Lynch bestätigte die Entscheidung, die firmenweit gilt und selbstgesteuerte Accounts beinhaltet.

Merrill Lynchs Entscheidung, den Handel mit dem Bitcoin-Investmentfonds zu verbieten, ist das jüngste Zeichen für die Zurückhaltung der Wall Street bei digitalen Währungen. Die US-Brokerage-Sparte der UBS Group AG untersagt ihren Beratern bereits den Handel mit Bitcoin-bezogenen Produkten, wie eine mit der Richtlinie vertraute Person berichtet. Einige andere Firmen, darunter JP Morgan Chase & Co, Citigroup Inc und Royal Bank of Canada, erklärten Kunden, dass sie ihnen keinen Zugang zum ersten Bitcoin-Futures-Markt anbieten würden, als dieser am 10. Dezember den Handel aufnahm.

Wie lange dauert der Hype noch?

Führungskräfte der Finanzindustrie haben sich skeptisch über die langfristige Lebensfähigkeit der Kryptowährung geäußert. James Dimon, der CEO von JPMorgan, hat Bitcoin als Betrug bezeichnet; Warren Buffett von Berkshire Hathaway stellte in Frage, ob die Regierungen ein unvermindertes Wachstum von Bitcoin zulassen würde. Bitcoin startete 2017 bei einem Preis von etwa 970 US-Dollar und stieg bis Dezember auf fast 20.000 Dollar, was einem Zuwachs von etwa 2.000 Prozent entspricht. Das wurde durch fünf Ausverkäufe von mindestens 30 Prozent unterbrochen, darunter einer im Dezember, der die Preise laut Coindesk um 45 Prozent nach unten trieb, bevor sie sich auf 14.292 Dollar erholten. Bitcoin stieg um 1.375 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Am ersten Mittwoch im Januar handelte Bitcoin bei knapp unter 15.000 Dollar. 

Bei Merrill sehen Berater den Schritt der Bank unterschiedlich. Einige beklagten verpasste Handelschancen. Kunden riefen an, um in Bitcoin zu investieren – eine Nachfrage, die einige Berater gerne bedienen würden. Andere wiederum sind der Meinung, dass es im besten Interesse der Kunden ist, den aufstrebenden Markt der Kryptowährungen zu meiden. "Ich denke, es ist eine sehr gute Idee", sagte ein Merrill-Berater über die Entscheidung. Die Bank "schätzte das Risiko als zu hoch ein." Beim Kauf der Währung eines Landes "kaufst Du dieses Land", basierend auf der zugrundeliegenden Wirtschaft und der Geldversorgung, sagte er. "Wenn Du Bitcoin kaufst, kaufst Du nur Bitcoin." (DJN) 


Bildquelle: ©Peshkova - iStockphoto.com


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