Neue Haftbefehle gegen frühere Wirecard-Manager

Neue Haftbefehle gegen frühere Wirecard-Manager
21.07.2020

Im Betrugsskandal um den insolventen Dax-Konzern Wirecard hat die Münchner Staatsanwaltschaft drei Haftbefehle gegen frühere Führungskräfte gestellt. „Die Staatsanwaltschaft München I hat heute früh aufgrund zuvor vom Amtsgericht München erlassener Haftbefehle den Beschuldigten L., bis Ende 2017 Finanzvorstand der Wirecard AG, und den Beschuldigten von E., früherer Head of Accounting bei der Wirecard AG, jeweils in München festgenommen. Gegen den ehemaligen Vorstandsvorsitzenden der Wirecard AG, Dr. Markus Braun, wurde ein neuer, erheblich erweiterter Haftbefehl beantragt und erlassen“, hieß es in einer Mitteilung der Justizbehörde. Braun sei ebenfalls Mittwochfrüh in München festgenommen worden. Alle drei Beschuldigten seien der Haftrichterin vorgeführt worden, die auf Antrag der Staatsanwaltschaft Haftfortdauer angeordnet habe.

Die bisherigen Ermittlungen hätten ergeben, dass der den Beschuldigten zur Last zu legende Sachverhalt erheblich erweitert werden müsse, hieß es. Insbesondere die umfassenden Angaben eines Kronzeugen, aber auch weitere Beweismittel wie Zeugenaussagen und Urkunden, begründeten den Verdacht, „dass die Beschuldigten Dr. Braun, L., von E. und B., der Geschäftsführer der Cardsystems MiddleEast FZ-LLC mit Sitz in Dubai, unter Beteiligung von weiteren Mittätern im Jahr 2015 übereinkamen, die Bilanzsumme und das Umsatzvolumen der Wirecard AG durch das Vortäuschen von Einnahmen aus Geschäften mit sog. Third-Party-Acquirern (TPA) aufzublähen.“ Das Unternehmen sollte demnach „finanzkräftiger und für Investoren und Kunden attraktiver dargestellt werden, um so regelmäßig Kredite von Banken und sonstigen Investoren zu erlangen und daraus fortwährend eigene Einkünfte zu generieren.“ In Wirklichkeit sei den Beschuldigten spätestens seit Ende 2015 klar gewesen, dass der Wirecard Konzern mit den tatsächlichen Geschäften insgesamt Verluste erzielt habe, so der Vorwurf.

Banken durch falsche Jahresabschlüsse getäuscht

Entsprechend dem gemeinsamen Plan und in dem Wissen, dass angeblich vorhandene Vermögenswerte in Höhe von zuletzt 1,9 Mrd. Euro (25 Prozent der Bilanzsumme) nicht existiert hätten, veranlassten die Beschuldigten den Angaben zufolge die Verhandlung verschiedener Kredite und ähnlicher Geschäfte mit Investoren. Banken in Deutschland und Japan sowie sonstige Investoren stellten demzufolge, durch die falschen Jahresabschlüsse getäuscht, Gelder in Höhe von rund 3,2 Mrd. Euro bereit, die aufgrund der Insolvenz der Wirecard AG höchstwahrscheinlich verloren seien, hieß es. 

„Nach derzeitiger rechtlicher Prüfung werden den Beschuldigten in zum Teil verschiedenem Umfang gewerbsmäßiger Bandenbetrug, Untreue, unrichtige Darstellung und Marktmanipulation in mehreren Fällen vorgeworfen“, so die Staatsanwaltschaft. Der jeweilige Tatbeitrag der einzelnen Beschuldigten könne aus ermittlungstaktischen Gründen noch nicht offengelegt werden. In Vernehmungen werde von einem streng hierarchischen System, geprägt von Korpsgeist und Treueschwüren gegenüber dem Vorstandsvorsitzenden als Führungsperson berichtet, hieß es. (ud)

Bildquelle: Photo by Bill Oxford on Unsplash


[zurück]