Neue Marktmissbrauchsrichtlinie (MAD) steht
28.04.2014

Das Europäische Parlament in Straßburg hat mit großer Mehrheit die Neufassung der Marktmissbrauchsrichtlinie (MAD II) verabschiedet, mit der die Straftatbestände bei marktmissbräuchlichem Verhalten durch eine europäische Richtlinie harmonisiert werden sollen. Der Anwendungsbereich der Direktive wird u.a. auf Finanzinstrumente ausgedehnt, die nicht nur an geregelten Märkten, sondern auch über multilaterale Handelssysteme (MTF) oder organisierte Handelssysteme (OTF) gehandelt werden. Neu aufgenommen wurde zudem eine einheitliche Definition der Insiderinformation. Den zuständigen nationalen Aufsichtsbehörden soll es weiterhin ermöglicht werden, bestimmte Marktpraktiken anzuerkennen, die nicht dem Verbot der Marktmanipulation unterfallen (Accepted Market Practices). Die Versuche von Insiderdealing und Marktmanipulation werden als europaweit einheitliche Verbotstatbestände definiert. Durchgesetzt hat sich außerdem die Etablierung systemischer Aufdeckungs- und Abwehrmechanismen gegen marktmissbräuchliches Verhalten sowie die Einrichtung eines Whistleblowing-Systems.  

Die neue Marktmissbrauchsrichtlinie, die nach ihrem Erlass durch die Mitgliedstaaten der EU in nationales Recht zu überführen ist, ist Teil eines Gesetzespakets, zu dem auch eine unmittelbar geltende Verordnung (Marktmissbrauchsverordnung MAR) gehört. Dadurch werden die bis dahin in der Richtlinie 2003/6/EG enthaltenen Regelungen zum Insider Dealing und zur Marktmanipulation in ein unionsweit einheitlich geltendes Regelwerk übertragen. MAD II und MAR müssen noch formell im Rat angenommen werden, bevor sie im Amtsblatt der Europäischen Union veröffentlicht werden. Nach Unterzeichnung durch den Präsidenten des Europäischen Parlaments und des Rats ist mit der Veröffentlichung im Amtsblatt der Europäischen Union nicht vor Juni 2014 zu rechnen. Die einzelnen EU-Mitgliedstaaten müssen die Vorgaben dann innerhalb von 24 Monaten in nationales Recht umsetzen.

 

    

 

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