Neuer Schlag gegen chinesische Bitcoin-Miner

Neuer Schlag gegen chinesische Bitcoin-Miner
12.01.2018

Auf dem Erzeugermarkt Nummer eins, China, bekommen die Bitcoin-Miner immer stärkeren Gegenwind von den Behörden. Die Machthaber in Peking schlossen nun einen Betrieb mit Rechnern zur Erzeugung eines Großteils der weltweit verfügbaren Bitcoins. Damit zieht das Land die Daumenschrauben weiter an, was schon vorher zu einem Aus für Bitcoin-Börsen im Reich der Mitte geführt hatte. Eine aus mehreren Behörden zusammengesetzte Task Force, die Risiken der Internet-Finanzwelt überwacht, ordnete lokale Regierungsstellen an, die Schließung des Betriebs von sogenannten Minern vorzunehmen. 

In China wurde in den vergangenen 30 Tagen nahezu 80 Prozent der Computerleistung lokalisiert, die fürs Bitcoin-Mining aufgewandt wurde. Dieser Prozentsatz errechnet sich ganz grob aus dem Anteil der in diesem Zeitraum erzeugten Bitcoins, wie die New Yorker Chainalysis erläutert. Die Miner nutzen leistungsstarke Computersysteme, um die komplexen mathematischen Probleme zur Erzeugung und Verifizierung von Bitcoins zu lösen. Sie machen vor allem in kaum besiedelten Landesteilen gute Geschäfte, wo Strom reichlich vorhanden und relativ billig ist. Der chinesische Markt dafür ist vielversprechend, aber Peking sorgt sich zunehmend um Geldwäsche und Risiken für das Finanzsystem. Die jetzt erfolgte Abwicklung der Rechnerleistungen ist ein weiterer Tiefschlag für die Digitalwährungen. Zwar spricht die Task Force von einem "geordneten Ausstieg" ohne Fristvorgabe, doch schon jetzt lenken selbst entlegene Provinzen der Großmacht ein, wo das Bitcoin-Mining bislang geblüht hatte. 

Ausrüstungen vielleicht schon ins Ausland verlegt

Der Gründer der chinesischen Mining-Gemeinschaft F2Pool, der im vergangenen Monat 9 Prozent der Bitcoins erzeugte, bestätigte die entsprechenden Anweisungen der lokalen Behörden in der Inneren Mongolei und in Xinjiang. "Wir sind schon jetzt sehr klein", erzählt der in der Community als "Shen Yu" bekannte Mann. Der Verlust von Chinas Minern würde die Erzeugung und Verifizierung von Einheiten der Kryptowährungen ins Straucheln bringen, so Philip Gradwell von Chainalysis. Seinen Angaben nach bedarf es 14 Tagen, damit sich das Bitcoin-System anpasst und sich die Schaffung neuer Einheiten stabilisiert. Schafft es China tatsächlich 80 Prozent der globalen Mining-Kapazitäten auf einen Schlag auszuschalten, könnte die Bitcoin-Community Wochen oder gar Monate brauchen, um sich von diesem Schritt zu erholen. 

Gradwell glaubt gar nicht, dass die Kapazitäten tatsächlich so schlagartig wegfallen. Schon seit Monaten habe Peking seinen Klammergriff verstärkt, sodass viele Miner ihre Ausrüstung bereits andernorts aufgestellt hätten. Doch auch die südkoreanischen Behörden wollen die Bitcoin-Erzeuger an die Kandare nehmen, nachdem eine Plattform in Seoul vor kurzem zusammenbrach und jetzt eine mögliche Verstrickung nordkoreanischer Hacker geprüft wird. (DJN) 

Bildquelle: ©NanoStockk - iStockphoto.com


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