OECD: Hoffnung auf Staatshilfe lässt Banken hohe Risiken eingehen

OECD: Hoffnung auf Staatshilfe lässt Banken hohe Risiken eingehen
13.06.2018

Als Risiko für die Finanzstabilität bewertet die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) die vergleichsweise niedrige Eigenkapitalausstattung deutscher Großbanken. "Die ungewichteten Eigenkapitalquoten der Banken in Deutschland sind nach wie vor niedriger als in vielen anderen OECD-Ländern, besonders hoch ist die Verschuldung bei den Großbanken", heißt es in dem Bericht. Mitte 2017 habe die Leverage Ratio der sieben größten Banken gemäß der Definition in der Eigenmittelverordnung, die die Banken bis 2022 vollständig umsetzen müssten, bei 3,7 Prozent gelegen. Laut OECD verstärkt die geringe Verlustabsorptionsfähigkeit des Eigenkapitals den verzerrenden Effekt impliziter Staatsgarantien, weil die neuen Instrumente zur Abwicklung global tätiger Banken noch unerprobt sind. "Der Glaube, dass systemrelevante Banken im Krisenfall möglicherweise vom Staat gerettet werden, kann bei den Banken zu überhöhter Risikoneigung führen", monierte die OECD. Für besonders riskant hält die in Paris ansässige Organisation die Tatsache, dass 20 Prozent der Aktiva deutscher Großbanken auf Derivate entfallen. Durch die Konzentration von Derivatpositionen bei Großbanken würden die Risiken, die mit einem hohen Verschuldungsgrad einhergingen, verschärft", befindet die OECD. Sie schlägt der Bundesregierung daher vor, eine strikte Trennung von Retail- und Investmentbanking durchzusetzen.

In ihrem aktuellen Länderbericht für Deutschland kritisiert die Organisation außerdem die hohen Derivatepositionen deutscher Institute und warnt vor der hohen Anfälligkeit der Landesbanken für Solvenzrisiken. Dabei rät sie zu mehr Privatisierungen. Damit könnten Risiken gemindert und der „Marktaustritt“ wenig profitabler Banken erleichtert werden, heißt es in dem Bericht. Landesbanken, die sich überwiegend im Besitz der Bundesländer befänden, hätten im Hinblick auf die Effizienz und die Anfälligkeit gegenüber Solvenzrisiken keine gute Bilanz und seien weniger rentabel als andere Banken. (DJN) 

Bildquelle: ©Ruslan Gilmanshin | fotolia.de


[zurück]