Razzia bei der Swedbank, Bonnesen muss gehen
28.03.2019

Die schwedische Polizei hat am Mittwoch die Zentrale der Swedbank AB durchsucht. Am Tag darauf musste CEO Birgitte Bonnesen ihren Chefsessel räumen.

Der skandinavische Bankriese steht im Verdacht, am gigantischen Geldwäsche-Skandal beteiligt zu sein, in dessen Rahmen umgerechnet mehr als 230 Mrd. US-Dollar von russischen Konten über die estnische Filiale der Danske Bank verschoben worden sein sollen. Wie die Swedbank in einer Mitteilung bestätigte, war die schwedische Behörde für Wirtschaftskriminalität (EBM) in der Zentrale in Sundbyberg nördlich von Stockholm aktiv. Hierbei handele es sich laut EBM um eine Voruntersuchung im Zusammenhang mit einer möglicherweise "unbefugten Weitergabe von Insiderinformationen", so die Bank. Zu diesem Zeitpunkt stehe keine "natürliche oder juristische Person unter Strafverdacht". 

Die EBM hatte am Mittwoch die sich im Gange befindliche Razzia via Twitter bestätigt. Demnach durchsuchen Polizeibeamte die Firmenräume im Auftrag von Generalstaatsanwalt Thomas Langrot im Zuge eines vorläufigen Ermittlungsverfahrens gegen die Bank. Die Finanzaufsichtsbehörden in Schweden und Estland haben im vergangenen Monat Ermittlungen in der Sache aufgenommen. Die EBM wurde von mindestens einem Investor aufgefordert, die Vorwürfe der Geldwäsche zu untersuchen. 

Die Bank will mit den Behörden zusammenarbeiten. "Für die Swedbank war dies ein sehr harter Tag", so CEO Birgitte Bonnesen am Mittwoch. Sie wolle alles in ihrer Macht Stehende tun, um mit der Situation fertig zu werden. Der Verwaltungsrat entzog ihr aber das Vertrauen; am heutigen Donnerstag veröffentlichte die Bank eine Pressemitteilung, wonach die Schwedin vorzeitig aus ihrem Amt entlassen werde. Die Entwicklungen der vergangenen Tage hätten einen enormen Druck auf die Bank erzeugt, sagte der Vorsitzende Lars Idermark. „Der Verwaltungsrat der Swedbank hat Birgitte Bonnesen als Präsidentin abgesetzt“, hieß es am Vormittag. Zugleich wurde der bisherige CFO, Anders Karlsson, zum amtierenden Präsidenten und CEO der Swedbank ernannt. 

Die Swedbank sieht sich mit einer Reihe von Untersuchungen im Zusammenhang mit Vorwürfen der Geldwäsche konfrontiert, nachdem der schwedische Fernsehsender SVT im Februar berichtet hatte, dass 50 Kunden des Finanzinstituts mit Verbindungen mit dem Geldwäscheskandal um die dänischen Danske Bank zwischen 2007 und 2015 rund 5,8 Mrd. US-Dollar über die Swedbank bewegt hätten. In einem weiteren Bericht im März sprach der Fernsehsender von einer Gesamtsumme von etwa 10 Mrd. Dollar. Die Swedbank hatte jedoch mitgeteilt, hierbei handele es sich um die Gesamtsumme aller Transaktionen zwischen der Swedbank und der Danske Bank in dem betreffenden Zeitraum, und nicht um die Höhe der verdächtigen Transaktionen. 

Die Aktien der Swedbank sanken allein am Mittwoch um 12 Prozent und haben in diesem Jahr schon fast Viertel ihres Werts verloren. Damit ist sie von den großen europäischen Banken jene mit der schlechtesten Performance. Bekannte Analysten gehen indes davon aus, dass es weitere „Erkenntnisse“ darüber geben könnte, wie die skandinavischen Banken zur Durchleitungsstation für Gelder aus der ehemaligen Sowjetunion werden konnten.  (Red. / DJN) 

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