Sprengung von Geldautomaten und mögliche Gegenmaßnahmen

Sprengung von Geldautomaten
16.11.2018

und mögliche Gegenmaßnahmen 

Im vergangenen Jahr wurden in Deutschland insgesamt 268 Fälle von gesprengten Geldautomaten verzeichnet, im Jahr davor waren es noch 318 Automaten. Diese Zahlen nannte das Bundeskriminalamt, das die einzelnen Straftaten auswertet und die Ermittlungsverfahren der Polizeibehörden des Bundes und der Länder koordiniert. Wie einem Bericht des Informationsdiensts „heute im Bundestag“ (hib 871/2018) zu entnehmen ist, bewegt sich die Deliktzahl damit nach wie vor auf hohem Niveau, trotz des Rückgangs von 2016 auf 2017 um 16 Prozent. Die Absenkung begründete das BKA mit der Einrichtung von zentralen Ermittlungskommissionen in Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen sowie einer intensiven Zusammenarbeit mit den niederländischen Strafverfolgungsbehörden. 46 von insgesamt 93 Tatverdächtigen im Jahr 2017 identifizierte das BKA in seinem Lagebericht als „aus Ballungszentren in den Niederlanden stammende niederländische Staatsangehörige mit marokkanischem Migrationshintergrund“.

Ein Teilerfolg des Rückgangs ist sicher auch auf die Tatsache zurückzuführen, dass etliche Banken und Sparkassen auf den Modus Operandi der Gangster reagiert haben und ihre Geldautomaten in der Nacht schließen bzw. leer lassen. Trotzdem steigt die Zahl der Delikte offenbar wieder an. Im ersten Halbjahr 2018 wurden bereits 187 Sprengungen gemeldet, heißt es in der Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage der Fraktion Die Linke, so hib. Die Politiker hatten im Zusammenhang mit der Sprengung von Geldautomaten nach genauen Zahlen und nach der Verfügbarkeit und Wirksamkeit von Gegenmaßnahmen gefragt. 

Der Bundesregierung liegen keine exakten Schadenssummen vor. Aus Einzelfällen sei aber bekannt, dass die Täter bei Geldautomatensprengungen im Zeitraum vom 1. Januar 2016 bis zum 31. August 2018 Bargeldsummen zwischen 20 und 440.000 Euro erbeuten konnten. Bei den Sprengungen entstanden im Einzelfall Sachschäden zwischen mehreren hundert und mehreren Millionen Euro. Bei der Frage der Fraktion, ob sich Zusammenhänge zwischen den Schwerpunktregionen der Automatensprengungen und strukturschwachen Gebieten erkennen lassen, konnte die Regierung keine Zusammenhänge nennen. Ungewiss ist auch, wie häufig das gestohlene Bargeld durch den Einsatz von Farbbomben unbrauchbar gemacht wurde. 

Die Linke wollte aber auch wissen, mit welcher Motivation im BKA-Lagebericht auf den Migrationshintergrund vieler Tatverdächtiger hingewiesen wird und inwiefern sich aus diesem Hinweis ein Mehrwert für Sicherheitsbehörden, Banken oder Kunden gewinnen lasse. Die Antwort der Bundesregierung: Kriterien wie Staatsangehörigkeit, regionale Herkunft und der Migrationshintergrund seien von erheblicher Bedeutung für die kriminalistische Gesamtbewertung des Phänomens, beispielsweise im Hinblick auf die Zusammensetzung von Tätergruppen, die Rekrutierung neuer Straftäter und die Bekämpfung des Phänomens durch die Sicherheitsbehörden. Ein Mehrwert für Banken und Kunden entstehe nicht. Zu dem im BKA-Lagebericht vermuteten polnischen Netzwerk von Automatensprengern informierte die Bundesregierung, dass seit Beginn des Jahres 2018 in diesem Zusammenhang in Deutschland und Polen insgesamt 13 polnische Staatsangehörige festgenommen und dadurch drei Tätergruppierungen aus Polen zerschlagen wurden, die teilweise bereits seit mehreren Jahren Geldautomaten in Deutschland gesprengt hatten. (hib / kra) 

Bildquelle: ChiccoDodiFC | istockphoto.com


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