Technologietransformation ist die oberste Ausgabepriorität

Technologietransformation ist die oberste Ausgabepriorität
29.06.2018

Die Anforderungen an die Compliance Abteilungen von Finanzdienstleistungsunternehmen sind in den vergangenen Jahre kontinuierlich gestiegen. Angesichts zunehmender Unsicherheiten und Volatilitäten erwarten Finanzinstitute, dass sie in den nächsten zwei Jahren ihre Investitionen weiter erhöhen müssen. Damit passen Unternehmen ihre Compliance Funktionen den veränderten Umgebungen an.

Die Ergebnisse der fünften Compliance Risk-Studie, für die Accenture weltweit 150 Compliance-Verantwortliche aus global tätigen Banken und Versicherungen befragen ließ, zeichnen ein klares Bild der Compliance Funktion. Sie steht einerseits der Geschäftsleitung beratend zur Seite und muss anderseits die regulatorisch bedingte Umsetzung im Betrieb begleiten. Sie nimmt parallel dazu die Rolle einer Kontroll- und Überwachungsfunktion wahr. 

Waren viele Compliance Bereiche in der Vergangenheit gegenüber Innovationen wachsam und vorsichtig, müssen sie als Reaktion auf ein volatileres Risikoumfeld umdenken. Jahrespläne, die auf einmal jährlich stattfindenden Risikobewertungen beruhen, stellen keine effektive Compliance Funktion mehr dar. Um digitale Gefahren und eine sich entwickelnde Regulierungslandschaft bewältigen zu können, müssen Finanzinstitute handeln und in eine Anpassung der geleisteten Services, den Einsatz neuer Technologien sowie die Schulung ihrer Mitarbeiter investieren.

Jahrelang sind Compliance-Funktionen gewachsen, ohne dass die Effizienz maßgeblich gesteigert werden konnte. Trotz aller Anstrengungen Kosten zu sparen, sind die Ausgaben für die Leistungen im Compliance Bereich weiter gestiegen. Wie aus der Studie hervorgeht, planen 92 Prozent der Befragten in Europa ihre Compliance-Investitionen in den nächsten zwei Jahren zu erhöhen. Dabei stechen drei wichtige Investitionsfelder für die nächsten zwölf Monate hervor: Innovative Technologien, Prozesse und Risikomanagement. Als strategische Initiative hat jedoch die Technologietransformation für 28 Prozent der Befragten in den nächsten zwölf Monaten und für 25 Prozent in den nächsten drei Jahren die höchste Priorität.

Neue Technologien stehen den Instituten bereits zur Verfügung und eröffnen ihnen neue Möglichkeiten: Im Rahmen der Digitalisierung werden neue Kundenkanäle ausgebaut sowie mit der Blockchain-Technologie, dem Einsatz von künstlicher Intelligenz oder der Automatisierung dank „intelligenter“ Software neue Anwendungen pilotiert. 

Auch dem Compliance-Bereich stehen diese Technologien zur Verfügung. Ihr Einsatz erfordert jedoch die Ausbildung und Schulung von Compliance Mitarbeitern. Allerdings sehen 76 Prozent der für die Studie Befragten eine Qualifikationslücke zwischen den aktuellen Compliance-Kenntnissen ihrer Mitarbeiter und der Expertise, die für die Nutzung der Technologien und Analyse von Daten erforderlich wäre. 

Zukünftig wird der Zugriff auf die richtigen Daten zur Identifizierung von Risiken eine wichtige Komponente sein. Ein Drittel der Befragten sehen Datenqualitätsprobleme jedoch als ein wesentliches Hindernis für die Transformation der Compliance-Funktion innerhalb der nächsten drei Jahre. Die unzureichende Qualität respektive die Inkonsistenz der verfügbaren Daten beeinträchtigt die Effektivität der Compliance-Abteilung. Das bedeutet: Die strategischen Investitionen in unternehmensweite regulatorische Technologien und intelligente Automatisierung müssen durch den richtigen Talentmix ergänzt werden. Wenn Compliance-Profis das Ökosystem der Risiken, mit denen sie konfrontiert sind, nicht verstehen oder aus den gesammelten Daten keine strategischen Erkenntnisse gewinnen, können sie nur mit begrenzten Erträgen aus ihren Investitionen rechnen.

Die Compliance als solches steht heute jedoch vor mannigfaltigen Herausforderungen, die die Befragten in der Studie wie folgt einordnen: Auf die Frage nach den drei größten Compliance-Risiken, die innerhalb des nächsten Jahres am schwierigsten zu bewältigen sein werden, nannten die Befragten am häufigsten Cyber-Risiken (18 Prozent der Befragten in Europa und 21 Prozent weltweit). Das Cyber-Risiko ist auch die größte Herausforderung auf die Sicht von drei Jahren. Interessanterweise gehörten auch das Daten- und Informationsrisiko sowie das Datenschutzrisiko zu den genannten drei größten Herausforderungen. Das deutet darauf hin, dass die Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) die Bedeutung des Datenschutzes und die Sicherheit der Kundendaten in den Mittelpunkt stellen könnte.

Überraschend ist, dass Fragestellungen um die Unternehmenskultur bezüglich der Einhaltung von Unternehmensrichtlinien und Regeln respektive möglicher Vergehen aufgrund von Fehlverhalten der Mitarbeiter an Bedeutung verloren haben. Nur für gerade 7 Prozent der Befragten (resp. 2 Prozent für europäische Compliance Abteilungen) ist dieses Thema eine Top 3-Priorität. Vor zehn Jahren, im Nachgang der Finanzkrise, war der Auf- und Ausbau der Prozesse zwecks Überwachung und Einhaltung der Richtlinien noch für fast jede dritte Compliance Abteilung eine Top-Priorität. 

Innerhalb der nächsten zwei bis drei Jahre ist eine Beschleunigung des Veränderungsprozesses in der Finanzbranche zu erwarten, der durch die Digitalisierung vorangetrieben wird. Das Risikoprofil von Finanzdienstleistungsunternehmungen wird sich verändern. Darauf werden sich die Compliance Funktionen vorbereiten, Investitionen tätigen und sich entsprechend anpassen. Es werden Fähigkeiten auf- und ausgebaut sowie eigene IT- und schlüsselfertige Softwarelösungen in bestehende Applikationslandschaften eingefügt. 

 

Autor: Adrian Glatz, Leiter des Bereichs Finance & Risk bei Accenture.

 

Methodik:
Für die Studie wurden 150 Compliance-Verantwortliche bei Banken, Versicherungen und Kapitalmarktinstitutionen in 13 Ländern in Nordamerika, Europa, Asien-Pazifik und Südamerika befragt. 58 Prozent der Organisationen haben einen Jahresumsatz zwischen 1 und 10 Mrd. US-Dollar, 17 Prozent zwischen 10 und 20 Mrd. und 25 Prozent einen Jahresumsatz von mehr als 20 Mrd. US-Dollar. Die Online-Befragung wurde zwischen Dezember 2017 und Januar 2018 durchgeführt.

 

Bildquelle: ©JoZtar | istockphoto.com


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