Wirecard-Skandal: Schadensersatzklagen gegen EY

Wirecard-Skandal: Schadensersatzklagen gegen EY
25.08.2020

Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young (EY) hat über viele Jahre hinweg die Bilanzen der mittlerweile insolventen Wirecard AG geprüft, ohne dass es zu Beanstandungen kam. Doch nun nimmt der Druck auf die Wirtschaftsprüfer zu. Weltweit suchen Anlegeranwälte nach Ansatzpunkten, um möglichst viel Schadensersatz von EY zu fordern, berichtete das Handelsblatt. Auch die in München und Regensburg ansässige Fachanwaltskanzlei Dr. Greger & Collegen geht im Zusammenhang mit dem Wirecard-Bilanzskandal nun juristisch gegen EY vor. Die Kanzlei reichte beim Landgericht München I für mehrere ihrer Mandanten Schadensersatzklage gegen die Firma ein, hieß es am Montag in einer Mitteilung.

Der Klage vorausgegangen seien Ermittlungen der Kanzlei, die „erhebliche Versäumnisse“ von EY bestätigt hätten, hieß es. Trotz falscher Geschäftszahlen habe das Unternehmen die Bilanzen der Wirecard AG bis einschließlich 2018 uneingeschränkt testiert. „Ein Schadensersatzanspruch eines Anlegers wegen vorsätzlicher sittenwidriger Schädigung gegen einen Wirtschaftsprüfer kommt nach aktueller Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs dann in Betracht, wenn der Bestätigungsvermerk nicht nur unrichtig ist, sondern der Wirtschaftsprüfer seine Aufgabe nachlässig erledigt hat – zum Beispiel durch unzureichende Ermittlungen oder durch Angaben ins Blaue hinein", erklärte der Kanzleiinhaber und Fachanwalt für Bank- und Kapitalmarktrecht, Dr. Stephan Greger.

„Unsere Ansicht wird auch durch das uns vorliegende Sonderprüfungsgutachten der KPMG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft bestätigt, in dem sie eine eingehendere Prüfung der Treuhandkonten, auf denen angeblich die fehlenden 1,9 Mrd. Euro verbucht sein sollten, für zwingend notwendig erachtet“, so Greger.

EY teilte auf Anfrage der Redaktion „die bank“ mit: „Im Rahmen der Abschlussprüfung für das Geschäftsjahr 2019 hat EY entdeckt, dass gefälschte Saldenbestätigungen und weitere gefälschte Unterlagen für die Treuhandkonten vorgelegt wurden.“ Dies sei den zuständigen Behörden sowie dem Unternehmen und seinem Aufsichtsrat mitgeteilt worden. Es gebe deutliche Hinweise, dass es sich um einen „umfassenden Betrug“ handele, an dem mehrere Parteien rund um die Welt und in verschiedenen Institutionen „mit gezielter Täuschungsabsicht“ beteiligt gewesen seien. Konspirativer Betrug, der darauf abziele, die Investoren und die Öffentlichkeit zu täuschen, gehe oft mit umfangreichen Anstrengungen einher, systematisch und in großem Stil Unterlagen zu fälschen. „Auch mit umfangreich erweiterten Prüfungshandlungen ist es unter Umständen nicht möglich, diese Art von konspirativem Betrug aufzudecken“, erklärte EY. (ud)

Bildquelle: iStock.com/photopsist


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